Powerfrauen

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Knapp 350 000 Frauen haben in Deutschland 2011 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Der Großteil von ihnen startete dabei vorsichtig: Laut einer KfW-Studie begannen rund zwei Drittel die Selbstständigkeit nämlich im Nebenerwerb. Die Gründe für den geringeren Gründungsumfang liegen häufig in den persönlichen Präferenzen: „Frauen übernehmen nach wie vor oft die Verantwortung für Familie und Haushalt. Viele Frauen schätzen daher an der Selbstständigkeit im Nebenerwerb die zeitliche Flexibilität, die es ihnen erlaubt, Beruf und Familie zu vereinbaren“, heißt es bei der KfW. Außerdem seien Frauen auch weniger risikobereit, sie wollten die Geschäftsidee zunächst testen und die Selbstständigkeit erst im Erfolgsfall auf den Vollerwerb ausweiten. Von den 416 000 erwerbstätigen Hamburgerinnen waren im Jahr 2010 46000 Frauen selbstständig. Frauen mit mehreren Jobs – keine Seltenheit. Denn ein Job reicht vielen Frauen heute nicht mehr. Sie haben Ideen, sie haben Träume. Als Außendienstmitarbeiterin verdienen sie ihren Lebensunterhalt und nebenbei arbeiten sie als Fotografin. Sie machen Bürokrams für andere und fürs Herz designen sie Schmuck. Sie coachen  im Hauptberuf und malen im Nebenjob. Die Buchhalterin verkauft Sexspielzeug und die Finanzdienstleisterin betreibt eine Online-Partnervermittlung.  Wir haben uns mit einigen von Ihnen getroffen….

 

Anja Goldkamp,44 | Produktmanagerin & Designhunter

»Das eine bin ich für mich, das andere für meine Kunden«

Anja Goldkamp. Foto: Gunnar Meyer

An diesem Montag ist Anja Goldkamp Designhunterin. Den Anzug hat sie im Schrank gelassen, stattdessen trägt sie Chino und T-Shirt. „Ich mache das immer je nach Laune“, sagt sie und ergänzt: „Es gibt Zeiten, da will ich nur noch das eine.“ Aber ohne das andere geht es eben (noch) nicht. Das „andere“, das ist eine „sichere Geschichte“. Als Produktmanagerin entwickelt die Geschäftsfrau  Sortimente für andere Firmen und bringt sie auf den Markt.

Kunden wie Wolfgang Joop oder die Olsen GmbH haben sich ihr Knowhow eingekauft. Sie erstellt Produktstrategien, entwickelt Kollektionen oder übernimmt die Weiterentwicklung von Produktsortimenten. Ihr Job geht dabei von der Abstimmung bis zur Markteinführung inklusive Marketing und Vertrieb. „Das habe ich gelernt und in diesem Bereich über die Jahre viel Erfahrung gesammelt…“, sagt Anja Goldkamp und freut sich über ihren Erfolg. Der hat nur einen Haken: Viele Kunden haben sie lieber gleich fest im Boot. Ein paar Mal hat sich Anja Goldkamp in der Vergangenheit darauf eingelassen, hat sich zur Festanstellung überreden lassen und ihre Freiberuflichkeit aufgegeben. Auf Dauer nichts für die Powerfrau, die selbstständiges Arbeiten gewohnt ist. „Erst heuern dich die Leute an, weil du was kannst, und dann bremsen sie dich aus“, ist ihre Erfahrung. Heute übernimmt sie die Jobs darum nur noch freiberuflich. „Wenn es nicht passt, kann ich jederzeit aussteigen“, sagt sie. Und weiß: „Das ist zwar eine unglaubliche Freiheit. Aber gleichzeitig auch eine große Zwickmühle.“ Vor allem die Großkunden wollen ihre Produktmanager ausschließlich für sich allein.

Heute entscheidet sich die 44-Jährige darum lieber für kleinere Projekte, die, die auch noch genug Luft für anderes lassen. Zum Beispiel für ihren Zweitjob, ihre Leidenschaft: Vor einem Jahr ging die Produktmanagerin mit einem Onlineshop an den Start. Die Idee dazu lieferte ihr ausgerechnet ihr Hauptjob. „Ich habe in den letzten Jahren so viele kleine Designer kennengelernt und alle hatten dasselbe Problem: Wie mache ich mein Produkt bekannt und wie bringe ich es überhaupt auf den Markt“, sagt sie. So entstand ihre Plattform designhunter.de. Hier bündelt sie kleine Designer, die ihre Produkte in kleinen Serien und hoher Qualität herstellen und damit ein harmonisches Sortiment ergänzen.

„Meine Käufer sind Frauen ab 30, 99 % von ihnen haben Kinder und ein Faible für schöne Produkte“, weiß die Expertin, die european business studies mit Schwerpunkt Marketing in England und Frankreich studiert hat. Designhunter ist ihr Baby, sie zieht es groß. Von der Idee über das CI bis hin zum Onlineshop stammt alles aus ihrem Herzen. „Mein Ziel ist es, Designhunter international an den Start zu bringen“, blickt Anja Goldkamp nach vorn. „Oder kleine Designhunter-Shops wären toll, hierfür müsste ich allerdings geeignete Partner finden, die so denken wie ich.“ Ihr Traum: „Für Designhunter irgendwann alles andere aufgeben zu können.“ Dazu ist es momentan noch zu früh. Doch warum tut sich die erfolgreiche Produktmanagerin das überhaupt an? Doppelbelastung statt freier Zeit. „Designhunter ist für mich Freiheit. Für Kopf und Seele! Das gibt genug Kraft für zwei Jobs!“

www.goldkamp.eu
www.designhunter.de

 

Liz Wieskerstrauch,56 | TV-Journalistin & Wingwave-Coach

Das Storyboard fürs Unbewusste

Liz Wieskerstrauch. Foto: Beatrice Hermann

Sie ist erfolgreiche Filmemacherin, Regisseurin und Schriftstellerin. Mit ihren Dokumentarfilmen über sensible Themen wie Sterbehilfe, Suizid, Zivilcourage und Neo-Nazis hat sie zahlreiche Preise und Nominierungen gesammelt, auch ihre Bücher wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.  Warum also wagt die ARD-Fernsehjournalistin Liz Wieskerstrauch jetzt noch mal etwas ganz Neues? „Ich finde Veränderungen grandios“, sagt die 56-Jährige. „Als wir jung waren, dachten wir, man lernt einen Beruf und dann war‘s das für ein ganzes Leben. So geht das aber nicht. Wer Neues wagt, bleibt frisch, flexibel und mobil.“

Liz Wieskerstrauch ist ohne Frage ein Mensch, der alles wissen will. Der lernen will. Neues entdecken will. „Als ARD-Journalistin wurde ich aber auch zu einer kritischen Haltung erzogen“, sagt sie. Als sie bei einer Dokumentarfilmreihe die Kurzzeit-Coaching-Methode Wingwave kennen lernte, war die ehemalige Sozialpädagogin sofort davon überzeugt. „Ich habe während der Dreharbeiten moderne und gut erforschte Methoden kennengelernt. Bei Wingwave wusste ich sofort: das ist etwas für mich. Diese Methode, die zum Teil der Traumatherapie entnommen wurde, will ich bei Menschen in ganz normalen Lebenssituationen einsetzen.“ Das Programm beruht auf den neuesten Erkenntnisse von Psychologie und Gehirnforschung und wirkt direkt im limbischen System – der entwicklungsgeschichtlich ältesten Gehirnregion, in der die Triebe und Emotionen, letztlich die Motivation und Kreativität gesteuert werden.

Liz Wieskerstrauch ließ sich ausbilden, besuchte Seminare, erhielt ihr Zertifikat. Und setzt die Methode seitdem erfolgreich ein – zum Beispiel gegen Flug-, Zahnarzt-, Prüfungsangst oder ähnlichem. Über einen kleinen Muskelreaktionstest an der Hand spürt sie die tieferen Ursachen der emotionalen Blockaden schnell auf und kann mit dem eigentlichen Coaching beginnen, das in der Regel außergewöhnlich zügig anschlägt. „Die Methode kann ich aber auch im Positivbereich anwenden“, betont Liz Wieskerstrauch. „Wenn Wingwave mit dieser Methodenkombination seelische Wunden heilen kann, kann es erst recht zu voller Kraft und Intuition verhelfen – vor allem bei kreativen Menschen“, war die Journalistin überzeugt – und entwickelte eine ganz eigene Methode.Mit Limbic Script will sie Autoren, Schauspieler, Dramaturgen, Regisseure und andere Kreative mental unterstützen und deren Inspiration und Kreativität steigern. Der Clou sind die imaginativen Figurenaufstellungen, die schnell einen intuitiven Zugang zur erdachten Story und den erfundenen Charakteren ermöglichen.

„Schreiben ist einsam“, weiß Liz Wieskerstrauch aus eigener Erfahrung. „Manchmal fährt man sich fest, weiß nicht, in welche Richtung es gehen kann, hält an Figuren fest, die eigentlich nicht nötig sind.“ Sie ist sicher: die Intuition ist für den Autor die größte Schatzkammer. Und an die muss man ran. „Drehbuchaufstellungen sind in der Filmbranche nichts neues, aber mit zahlreichen Stellvertreterpersonen sehr aufwändig und selten realisierbar. Mit Limbic Script sind Figurenaufstellungen auch im kleinen, geschützten Rahmen zu zweit möglich – also imaginativ“, so Wieskerstrauch, die sich damit in ihrer Branche bereits einen Namen gemacht hat. Schließlich lassen sich mit ihrer Hilfe ganze Drehbuchfassungen einsparen, ist der Blick des Autors erst einmal befreit. Roman- und Drehbuchautoren, Schauspieler, Künstler, Maler, Musiker – sie alle können mit dem Coaching ihre inneren Barrieren wie Lampenfieber, Schreibhemmungen, Präsentationsschwächen, Selbstzweifel, Konkurrenzdruck und Leistungsstress auflösen.„Das Wingwave-Coaching bewirkt zudem eine positive Grundeinstellung“, so Liz Wieskerstrauch.

Durch ihr Einfühlungsvermögen hat die erfahrene Journalistin bei der ARD ein ganz besonderes Standing. Dort setzt man die gelernte Sozialpädagogin gern für schwierige und schwere Themen ein. „Die Menschen fühlen sich bei mir aufgehoben und Ernst genommen. Sie wissen: Bei mir werden sie nicht entblößt und vorgeführt.“ Ist sie ihren Hauptjob – wie viele andere – etwa leid? Ist das der Grund für das zweite Standbein? „Nein, auf keinen Fall!“, betont sie. „Ich liebe meine Arbeit, ziehe unglaublich viel Energie daraus. Die Filmarbeit ist so spannend, das würde ich nie aufgeben wollen.“ Vielmehr ließe sich beides optimal miteinander kombinieren. Mehr noch: „Beide Jobs ergänzen sich“, sagt Liz Wieskerstrauch. „Ich treffe bei meinen Dokumentarfilmen oft auf Menschen, die am Boden sind oder sich gerade wieder ein wenig aufrappeln. Durch Wingwave kann ich sie jetzt zusätzlich  unterstützen.“

www.wieskerstrauch.com | www.limbic-script.com

 

Nina Schäfer,35 | Eventmanagerin, Assistentin & Schmuckdesignerin

»Ich hänge an meinen drei Jobs«

Nina Schäfer. Foto: Franziska Glück

Was ich mache in drei Sätzen“, fragt Nina Schäfer und lacht. „Das geht nicht!“ Und dann versucht sie‘s doch: „Festkontor.“ „Die Assistentin.“ „Glanzstück.“ Geschafft. Drei Jobs, drei Sätze. Die 35-Jährige strahlt Power aus. Die musste sie auch immer haben. Als Assistentin bei der Bild waren ihr Arbeitszeiten von 9 to 5 fremd, Überstunden statt dessen ihr bester Freund. Hier kümmerte sie sich um alles, vor allem um Eventorganissation. Damit kannte sie sich schon damals bestens aus, hatte in diversen Eventabteilungen und Agenturen Erfahrungen gesammelt. Vor fünf Jahren zog sie den Schlussstrich und machte sich selbstständig.

„Ich wollte einfach das machen, was sowieso alle von mir wollten“, sagt sie und gründete ihr Festkontor. „Eine großartige Zeit“, schwärmt  Nina Schäfer. Große, finanzkräftige Kunden zählten gleich zu Beginn zu ihren Kunden. Dann kam die Wirtschaftskrise. „Ich hab das einfach viel zu spät realisiert, das nicht wahrhaben wollen. Innerhalb von drei Tagen brach plötzlich alles weg“, erinnert sie sich und auch an die Zeit danach: ein großes schwarzes Loch. Nach einem halben Jahr krabbelte sie wieder raus, besuchte Netzwerktreffen, hörte sich um. Und wurde plötzlich von vielen um Hilfe gebeten. Buchhaltung, Bürokram, PR und Marketing: Nina, kannst du helfen??? „Da hab ich ,Die Assistentin‘ ins Leben gerufen“, erzählt sie. Bei einem Kunden konnte sie im Bürohaus einen Raum anmieten, blieb ein Jahr.

Ihre Erfahrenheit sprach sich im Haus rum, allein dort fand sie sechs weitere Kunden. Ihnen ist sie noch heute treu, betreut sie aus dem Homeoffice. „Dorthin wollte ich zurück, weil da meine Werkstatt ist“, erklärt sie. Ihr dritter Job: Glanzstück. „Das hat sich einfach so aus meinem Hobby ergeben“, sagt Nina. Sie hatte sich ihre „schönste und teuerste Kette“ selbst gemacht und sorgte damit für Aufsehen. „Plötzlich wollte jeder sowas haben. Länger, kürzer, grün, blau, große Perlen, kleine Perlen“, sagt Nina, die daraus einfach einen neuen Job machte. Im Dezember hatte sie „Reifeprüfung“: Ein Lifestyle-Magazin hatte ohne ihr Wissen ihr „Glücksarmband“ als Last-Minute-Geschenke-Tipp angekündigt. „Das war Rock‘nRoll“, sagt Nina. Knapp 220 Armbänder in zwei Wochen schaffte sie, hielt sich nachts mit Unmengen an Kaffee wach. „Die Adventszeit ist für mich ausgefallen, am Ende ging ich auf dem Zahnfleisch.“ Die anderen Jobs liefen schließlich auch weiter, eine Hochzeit musste geplant werden. Warum tut sie sich den Stress an?  „Es bringt leider Spaß!“, sagt sie lachend. „Eine Zeit lang dachte ich, ich müsste zumindest einen Job aufgeben. Aber ich kann mich einfach von keinem trennen.“ Natürlich träume sie manchmal auch von einer Festanstellung. Geregelte Arbeitszeiten. Urlaub, sicheres Gehalt. „Aber das könnte ich meinen Kunden nie antun. Ich hänge an ihnen. Und an meinen drei Jobs!“

www.festkontor.de
www.glanzstueck-hamburg.de
www.die-assistentin-hamburg.de

 

Constanze Köpp,43 | Powerfrau & Allrounderin

Schwarzes Schaf mit verrückten Sehnsüchten

Conni Köpp

Mit 10 wollte ich reich sein, einen tollen Job, einen tollen Mann und tolle Kinder haben. Die Welt war voller Dinge, die ich haben wollte. Heute ist die Welt noch viel größer geworden und es gibt immer noch so viele Dinge, die ich haben will. Als schwarzes Schaf der Familie mit immer neuen Ideen und verrückten Sehnsüchten fand ich wenig Gehör. Und doch setzte ich mich durch. Ich führte schließlich jenes fort, was ich als junges Mädchen schon so liebte: Räume verändern und Geschichten schreiben. Ohne Abi, Lehre, Studium musste ich gewiss ein wenig mehr kämpfen als andere mit soliden Grundlagen, aber mit 35 hatte auch ich es dann geschafft.

Nach fünf Jahren Verlagswesen sprengte ich die Ketten der Festanstellung und gründete mein kleines Unternehmen: WOHNKOSMETIK. Und ich schrieb mein erstes Buch, das den Sprung in einen großen Verlag schaffte. Nach „Frannys Reise“ folgte für einen weiteren großen Verlag ein Gemeinschaftsbuch zum Thema Wohnen: „Die Kunst des Aufräumens“. Wenn meine zwei Töchter schlafen, schreibe ich an weiteren zwei Büchern, die es hoffentlich sehr bald in einen dritten großen Verlag schaffen! Ja, ich glaube, ich bin eine Powerfrau: ich erziehe zwei Kinder, ich schmeiße den Haushalt, ich kaufe ein, ich koche und ich pflege meine langjährigen Freundschaften. Und ich lebe von dem, was ich so liebe: Räume und Menschen glücklich machen! Ich gründete ein Projekt für mittellose Hamburger „HH-HZ 2012 – Hamburg hält zusammen“, ich schule den Nachwuchs, ich dreh‘ ab und zu fürs Fernsehen. Ich gebe Wohnworkshops und mit voller Leidenschaft Lesungen zu Franny. Ich helfe Menschen mit ihren Websitetexten und mache hier und da PR für tolle Unternehmen. Und seit 2010 versorge ich die Leser/innen der womaninthecity mit pfiffigen Produkten und entlasse sie mit meinen Kolumnen wieder aus dem Heft.  Ich will und ich kann nichts anderes! Habe ich heute noch Wünsche? Ich glaube, jeden Tag kommen neue dazu! Ich bin so lebenshungrig. Mein Ziel: glückliche Töchter, mit Wohnkosmetik ein Imperium schaffen und noch viele Bücher schreiben und / oder lektorieren! Und ganz viel Zeit, irgendwann mal richtig schöne Sachen für mein Herz & meine Seele tun zu können!

 

Anja Zarth,34 | Außendienstlerin & Fotografin

»Ich kann nicht wieder ganz unten anfangen«

Anja Zarth.

Anja Zarth ist eine hübsche Frau. Nach ihr drehen sich Männer auf der Straße um. Eines aber sollten sie auf keinen Fall tun: die toughe Blondine für „eine Püppi“ halten.  „Ich musste mich die erste Zeit richtig durchbeißen“, sagt die 34-Jährige und erinnert sich an ihr erstes Jahr bei einem weltweiten Konzern, für den sie 2004 als regionaler Key Account im Außendienst anfing. Schrauben, Maschinen, Sytemlösungen – eine reine Männerdomäne. Anja ist die einzige Frau im Außendienst hier im Norden. Ihre Kunden: ausschließlich Männer. Handfeste Handwerker, die ihre nette Art anfangs gern auch mal in den falschen Hals bekamen. „Ich habe schnell gelernt“, sagt Anja lachend, die zuvor in der Modebranche gearbeitet und deren Oberflächlichkeit satt hatte. Mittlerweile weiß sie sofort, wenn ein Gespräch in die falsche Richtung geht und hält dagegen.

Eine wie Anja haben Chefs gern im Team: unkompliziert, engagiert, selbstständig und mit besten Umsätzen. Das Handwerk begeistert sie auch nach acht Jahren noch. Aber ausfüllen, nein, das tut es sie nicht. Ihr Herz, das schlägt eigentlich für etwas ganz anderes.  „Wenn ich meinem Herzen gefolgt wäre, wäre ich heute Fotografin“, sagt Anja. Stattdessen hat sich die Stralsunderin Anfang der 90er  für eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau entschieden. „Was anderes gab es bei uns damals kaum“, erinnert sie sich an die Zeit nach der Wende. Fotografieren, das war dabei bereits zu der Zeit ihre große Liebe. Als Kind schon hat sie beim Vater Fotos in der Dunkelkammer entwickelt, alles festgehalten, was ihr vor die Linse kam.

„Ich war feige“, gibt sie zu. „Ich hätte dafür in Bayern studieren müssen. Oh Gott, Bayern. Ich war ja noch nie von zu Hause weg und wo ist überhaupt Bayern??? Das war unvorstellbar für mich.“ Weg aus dem Osten wollte Anja ohnehin nie. Trotzdem kam sie vor zehn Jahren nach Hamburg.

„Irgendwann kommt für jeden die Zeit, in der man sich noch mal neu überdenkt“, sagt Anja. Für sie kam diese Zeit vor einem Jahr. Sie kauft sich eine neue Spiegelreflexkamera, assistiert bei Shootings, lernt von Kollegen, saugt Theorie und Technik auf wie ein Schwamm, bekommt erste Kunden.  „Ich brauch’ das. Fotografieren ist mein Ausgleich. Da kann ich mal den ganzen Alltagskram links liegen lassen, mich voll auf meine Leidenschaft konzentrieren und alles andere für einen Moment vergessen“, sagt sie.

Ob sie ihren Job mal aufgeben will für die Fotokunst? „Natürlich säße ich gern irgendwo in einem schönen Studio und verdiente wahnsinnig viel Geld. Aber so einfach ist eben das nicht.“ Anja sagt von sich selbst, sie sei ein Sicherheitsfanatiker. „Ich bin in meinem Job sehr erfolgreich und verdiene dort gutes Geld. Ich kann nicht einfach alles hinschmeißen und wieder ganz unten anfangen.“

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