Noch wünschen oder schon handeln?
- At 11. Juni 2012
- von Conni
- In Kolumne
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Wir träumen, wir wünschen, wir beten, wir hoffen und – ja, manchmal fluchen wir natürlich auch. Wir wünschen uns große und kleine Dinge, auch wenn ein Jeder groß und klein ganz anders definiert. Wir wünschen uns Dinge, die wir kaufen könnten. Und kaufen wir sie nicht, dann wünschen wir sie uns von anderen. Oder sparen. Oder treiben sie im Internet ganz billig auf. Auch ich habe große Wünsche, bin ich eben auch ein großer Mensch. Und doch sind meine Wünsche manchmal kleiner als die eines Kleinen, der größere Wünsche hat als ich.

Ein iPhone für ein Grundschulkind? VETO! Wo bleibt die Steigerung, wo der Verdienst, wo das Wünschen, Warten, die Geduld? Je älter ich werde, desto seltener wünsche ich mir Dinge, die man kaufen kann. Ich betrachte die Welt mit anderen Augen, und manchmal muss ich schielen oder einfach meine Brille in der Hülle lassen, den Zuständen da draußen ein wenig an Schärfe nehmen. Ich wünsche mir eine bessere Welt! Gibt’s die irgendwo? Kennt sie jemand? Was tun wir dafür? Wäre ich mit heutigem Wissen noch mal jung, dann wünschte ich mir mich als fleißigere Schülerin. Ich wünschte, ich hätte meiner Lehrerin nie Pattex auf den Stuhl geklebt und meine Kaugummis nicht in Schlüssellöchern entsorgt. Ich wünschte, ich hätte meiner ersten Freundin sagen können, dass ich sie lieb habe, bevor sie gestorben ist. Ich wünschte, ich hätte meiner Mutter meine Pubertät erspart und ihre Lederhose nicht zerschnitten. Nun liegt das alles Steinzeiten zurück, umso schwerer, weil genau diese Dinge nicht gerade dazu beitrugen, dass die Welt ein bisschen besser wurde. Und auch nicht, dass man meine Schandtaten je vergessen würde. Manchmal wünschte ich, ich wäre Spießerin geworden, dann kaufte ich mir von Ersparnissen ein Reihenhaus, setzte lachende Gartenzwerge ins Beet und auf die Fensterbank, hätte einen Mann mit Brille und Bart und ein paar Nachbarn, die zum Kuchen und Klönen kämen. Vielleicht würde mir auch zwei mal im Monat der Beischlaf reichen und ein Jahresurlaub in Meran. Aber nein, ich musste ja von Dingen träumen, die nicht gerade zahlreich auf mich warten: den Ford Mustang, den ich auch bezahlen kann. Den Mann, der mich mein Leben lang tragen, ertragen und lieben will. Urlaube, die in keinem Reiseführer stehen.
Und was tue ich für meine Wünsche? Ich liege da und träume weiter. Ich wünsch‘ mir eine Welt, die besser wird. Und was tu‘ ich? Ich liege da und mach‘ sie besser. In Gedanken. Theorie ist ja so einfach. Verdammt! Genug herumgelegen, das kann ich nach dem Tod noch immer! Jetzt will ich aufstehen, ich will dem Penner von der Straße nicht nur einen Euro, sondern mindestens auch zwei Minuten Zeit schenken! Ich will einer alten Frau endlich über die Straße helfen, auch wenn ich es gerade eilig habe! Ich will meinen Bäcker nie mehr dafür anpflaumen, dass meine Lieblingssemmeln es schon wieder nicht in die erste Lieferung schafften. Ich wünsche mir, dass meine Freunde wissen, dass sie ausnahmslos auf mich zählen können – und meine Familie sowieso. Ich wünsche mir, dass Gott mir manchmal nicht alle Baustellen auf einmal zum Lernen gibt, sondern dass er mich auch ab und zu verschnaufen lässt. Ich wünsche mir, dass er den Männern einen Mund zum Reden und den Vätern einen Impuls zum Bleiben gibt. Ich wünsche mir auch Mut – mal Dinge zu tun, um die ich andere beneide: einen Bungee-Jump, jemandem ins Gesicht schreien, wie verletzend er gerade ist und mit dem Rad ´ne steile Treppe runterheizen. Ich wünsche mir, dass ich die obdachlose Frau, die ich immer vom Auto aus sehe, endlich anspreche. Ich will wissen, warum sie ihre vollen Einkaufswagen mit so viel Würde und Haltung von Ecke zu Ecke ziehen kann. Ich wünsche mir, dass es weniger einsame Menschen auf der Welt gibt und jedes Töpfchen endlich sein Deckelchen findet. Ich wünsche mir, dass wir weniger an Krebs verrecken und nur an Übermüdung von all den schönen Abenteuern im Leben. Ich wünsche mir, dass die Gesunden auf die Kranken hören und die Kranken weniger die Gesunden trösten müssen. Ich wünsche mir eine bessere Welt! Und morgen stehe ich auf! Ich stehe auf und tue etwas, das die Welt – zumindest meine Welt – ein Stückchen besser macht!
DANKE, dass Sie mich wieder mal gelesen haben. Und wie immer freue ich mich auf Ihre E-Mails. Und auf das, was SIE sich wünschen – und auf das, was Sie dafür tun! Ihnen einen wundervollen Sommer, bis danach – Ihre Conni Köpp | conni@witc-verlag.de

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