Sebó hat den Soul

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Er ist einer von Hamburgs Shootingstars: Dass Sebó nicht im Schatten seines großen Bruders Flo Mega stehen muss, hat er längst bewiesen. Im zweiten Teil der womaninthecity-Newcomerserie sprachen wir mit dem Hamburger Singer-Songwriter über Leidenschaft, Musik und die richtigen Worte.

Sebó. Foto: Niculai Constantinescu

Treffen wir uns auf ein Bier? „Klar“, sagt Sebó spontan. „Ich trink nur keines.“ Bitte? Das soll wohl ein Witz sein. Schließlich ist Sebó, der eigentlich Sebastian Bosum heißt, Musiker. Einer, der derzeit ordentlich durchstartet und von Hamburg aus durchs ganze Land tourt. Man kennt das doch: Vorm Auftritt ‘n Bier gegen Lampenfieber, während des Auftritts eines gegen den Durst und hinterher zum Feiern sowieso. Alle Musiker machen das so. Da wird er doch wohl nicht… „Nein, das mein‘ ich ernst. Ich trinke nie“, sagt er. Also sitzen wir bei Apfelsaftschorle im Konsumkulturhaus Lokal e.V. in Altona auf einer Partybank mit Häkel-Überzug und sprechen über Musik im Allgemeinen, deutschen Soul und Sebós aktuelle Hoch-Zeit in Sachen Musik.

Gerade hat er mit seinem offiziellen Musikvideo „So weit so gut“ den ersten Platz bei einem Newcomer Musikvideocontest gewonnen, die jüngste Tour – zusammen mit Flo Mega – liegt gerade erfolgreich hinter ihm. Ach ja: Flo Mega. Der Typ, der letztes Jahr für Bremen beim Bundesvisionsongcontest an den Start gegangen ist. „Ich bin es schon gewohnt, dass er immer mit erwähnt wird, wenn über mich geschrieben wird“, sagt er. „Das ist aber ok. Schließlich sind wir Brüder und das scheint für die Leser spannend zu sein. Außerdem ist  er Teil meiner Geschichte. Jeder,  der meine Musik hört, wird bemerken, dass es da noch ganz andere Geschichten über mich zu erzählen gibt.“

Zum Beispiel über seine vielen Reisen. Als Musikbotschafter verbindet Sebó in vielen Ländern der Welt Menschen und Musik miteinander, gibt Workshop-Kurse und nimmt als Teil des musikalischen Austauschprojektes „Each One Teach One” vier Alben in fünf Jahren auf.  „Die Reisen haben mich geprägt, da bekommst du einen anderen View, kannst leichter schreiben“, erzählt der Wahl-Hamburger, der vor rund zwei Jahren aus Bremen in die Hansestadt zog. „Jetzt bin ich schon wieder zu lange an einem Ort, stehe auf dem Boden der Tatsachen, da fällt es manchmal etwas schwerer, kreativ zu sein.“ Kaum vorstellbar. Schließlich klingt seine Musik so leicht und positiv.

Er singt von Liebe. Von Sehnsucht. Von Wahrheiten und Wagnissen. Gänsehaut macht sich breit, wenn Sebó zu Gitarre und Mikro greift. Gefühle und Leidenschaft, darum geht es ihm bei seiner Musik. Und die lässt er ungern in eine Schublade stecken. Der einst rappende Breakdancer ist heute ein Gitarre spielender Singer-Songwriter mit einer klaren, positiven Botschaft. Also deutscher Soul? „Soul ist für mich schon längst keine Musikrichtung mehr“, sagt er. „Mir ist schon klar, dass Roy Black im Gegensatz zu den ,The Temptations‘ nicht der Soulmusik im klassischen Sinne zuordnet wird. Soul bedeutet für mich, sein Innerstes zum Ausdruck zu bringen.“ Und das müsse nicht immer schön sein. „Soul hat die Aufgabe zu  befreien. Wenn jemand Rock macht und dabei ein Gefühl bei mir erzeugt, dann ist das auch Soul. Wenn jemand Trash Metal macht und darin aufgeht, ist es auch Soul. Muss ja nicht mein Geschmack sein. Manche Seelen sind mir auch zu düster, wenn ich genauer drüber nachdenke …“, sagt Sebó, der selbst aus dem Rap  kommt. „Ich setze auch heute immer noch Rap-Elemente in meiner Musik ein, das merkt nur niemand, weil ich das Gefühl über die Stimme transportiere. Das ist auch Soul…“ Allerdings sei er noch viel zu oft auf der Suche nach den richtigen Worten. „Ich neige manchmal zum Schwafeln, das will ich mir abgewöhnen“, sagt er. Die größte Kunst sei es, einen Text einfach nur vorzulesen, ganz ohne Melodie, und allein über die Worte Gefühl zu erzeugen. Da will er hin.

Die Worte kommen bei dem Songwriter meist zum Schluss. „Wenn ich schreibe, dann fängt das mit einer Stimmung an“, erzählt er. „Dann mache ich erst mal nur Sounds. Erst wenn ich die Melodie hab’, such’ ich die richtigen Worte.“ Wichtig sei, sich frei zu machen. „Wenn  du dich nicht festlegst, hast du viel mehr Möglichkeiten“, erklärt er und gibt zu: „Ich muss mein Vokabular auch manchmal ein bisschen auffrischen. Mein Lieblingswort ,krass’ benutze ich am Tag sicher 20.000 Mal, da kann ich aber auch alles mit ausdrücken“ sagt er lachend. Neuerdings diskutiert Sebó viel mit einem Freund, der Schauspieler ist. „Ich lerne viel von ihm, schaue, wie er mit Texten umgeht.“ Und: „Ich werde mir vielleicht einen zweiten Songschreiber dazu holen. Früher hab ich das abgelehnt. Das ist ja nicht ,real’, hab ich gedacht. Aber jetzt weiß ich: Du musst Ideen auch weitergeben können, damit sie groß werden.“

Trotz seines Erfolgs: abgehoben ist Sebó noch längst nicht. Aber stolz. Denn seinen Erfolg hat er sich selbst aufgebaut. Eine Casting-Show käme für den Musiker nicht in Frage. „Ich könnte keinen Bezug zu dem Musiker aufbauen, zu dem man dort gemacht wird.“ Er könne nur authentisch sein, wenn er seine eigene Geschichte auf der Bühne lebt und performed. „Ich habe von Anfang an gelernt, wie sich die Dinge aufbauen. Es wird dir nichts geschenkt. Auch schlechte Zeiten sind wichtig, damit man überhaupt ein Profil als Künstler bekommt.“

Seine musikalische Karriere will er selbst in die Hand nehmen, sich nicht auf andere verlassen. Klar ist: Musik ist sein Leben, trotz eines Vordiploms in Design, das er an der Kunsthochschule in Bremen absolviert hat. „Ich habe so oft auf 1000 Hochzeiten gleichzeitig getanzt, ich habe keinen Bock mehr, Sachen nur halb zu machen.“ Für Sebó, der bereits mit 12 Jahren anfing Musik zu machen, war immer klar: Das soll mehr als nur ein Hobby sein. „Ich hab mich aber nie bewusst entschieden. Ich bin da so reingewachsen“, sagt er. Nachdem im Herbst 2011 die erste Solo-EP veröffentlicht wurde, arbeitet Sebó jetzt zusammen mit dem Hamburger Soul-Produzenten Capudelup am ersten Album, das voraussichtlich 2013 erscheinen soll. Wird er darauf anstoßen? Sebó lacht. „Mit O-Saft ganz sicher!“

Mehr zu Sebó gibt es hier

 

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